FVI-Expertenfrühstück
01. FVI-Expertenfrühstück
Was hat der gestiefelte Kater mit zukunftsfähiger Produktion und Instandhaltung zu tun?
Key Takeaways
In einer offenen Diskussionsrunde mit Marcel Hahn. Jens Reisenweber und Experten aus dem produzierenden Mittelstand haben wir die aktuelle Realität zwischen Instandhaltung und Produktion beleuchtet. Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Das Produktivitäts-Paradoxon: Trotz jahrelanger Digitalisierung und Automatisierung sinkt die reale Produktivität in vielen Bereichen oder stagniert. Der Grund: Neue Tools erzeugen oft neue administrative Hürden (Schatten-IT, Excel-Export-Import-Orgien), anstatt Arbeit abzunehmen. Wir digitalisieren oft „des Digitalisierens Willen“, ohne den Prozess zu hinterfragen.
- Die demografische Realität lässt sich nicht wegdiskutieren: In den nächsten Jahren verlassen rund 12 Millionen Erwerbstätige den Markt (Babyboomer). Diese Lücke („Gap“) lässt sich weder durch Migration noch durch Geburtenraten schließen. Die logische Konsequenz: Wir müssen technische Lösungen finden, die Wissen konservieren und Prozesse so effizient machen, dass sie mit weniger Köpfen bewältigt werden können.
- ISO-Prozess vs. Shopfloor-Realität: Es herrscht oft eine massive Diskrepanz zwischen dem Prozess im Handbuch (ISO 9001 etc.) und dem, was an der Maschine wirklich passiert. Wer versucht, den theoretischen „Soll-Prozess“ zu digitalisieren, zementiert Ineffizienz. Echte Digitalisierung muss dort ansetzen, wo der Wert geschöpft wird – notfalls mit dem „Whiteboard an der Wand“ statt im Elfenbeinturm.
- Das „Gestiefelter Kater“-Mindset: Die Instandhaltung startet oft wie der Müllerssohn: Unterschätzt und mit wenig Ressourcen (nur dem „Kater“). Doch mit Cleverness, Mut zur Entscheidung und Netzwerkdenken kann sie – wie im Märchen – zum „Schlossherrn“ werden. Es geht darum, aus einer scheinbar aussichtslosen Position durch intelligente Strategien (statt nur harter Arbeit im Hamsterrad) Wertschöpfung zu generieren.
- Mut zur Lücke & Fehlerkultur: Lieber unperfekt starten und nachjustieren, als in der Planungsparalyse zu verharren. Ein „falscher“ Schritt bringt mehr Erkenntnis als Stillstand.
Einordnung: Von der Verwaltung zur Operativen Intelligenz
Diese Diskussion bestätigt exakt die Beobachtung, die uns zur Entwicklung von ADAM getrieben hat: Die deutsche Industrie leidet nicht an einem Mangel an Software, sondern an einem Mangel an Verbindung und Einfachheit.
Wenn Experten wie Christoph Funken und Jens Reisenweber feststellen, dass wir „Hamster im Rad“ sind – fleißige Bienchen, die aber den Nektar (das Ergebnis) nicht nach Hause bringen –, dann ist das ein Ruf nach Operativer Intelligenz.
- Wissen sichern statt verwalten: Wenn die erfahrenen „Latzhosen-Träger“ gehen, darf ihr Wissen nicht im „schwarzen Büchlein“ verschwinden. Es muss in einem System leben, das so einfach ist, dass der Nachfolger es sofort nutzen kann (der „digitale Tresor“).
- Souveränität über Prozesse: Wir dürfen uns nicht von starren ERP-Vorgaben diktieren lassen, wie wir arbeiten. Die Technologie muss sich dem Prozess anpassen, nicht umgekehrt. Das Ziel ist nicht, den Menschen wegzuautomatisieren, sondern ihn von der administrativen Last zu befreien („Servolenkung statt Überwachung“), damit er seine Expertise dort einsetzen kann, wo sie wirklich zählt: an der Anlage.
Fazit: Wir brauchen keine weiteren komplexen IT-Großprojekte, die neue Silos schaffen. Wir brauchen pragmatische Brückenbauer, die Daten und Wissen so einfach zugänglich machen, dass aus dem „Kater“ ein strategischer Partner der Geschäftsführung wird. Genau das verstehen wir unter „Simplify your digital Transformation“.
Unsere Experten
Marcel Hahn
Hahn Projects GmbH
Jens Reißenweber
Reissenweber GmbH