FVI-Expertenfrühstück

15. FVI-Expertenfrühstück

Systematische Fehlersuche und nachhaltige Problemlösung in der Instandhaltung

Freitag, 24. Januar 2025
mit Marcel Hahn, Jens Reißenweber

Key Takeaways

Thema: "Doktor Instandhaltung" – Systematische Fehlersuche und nachhaltige Problemlösung.

In dieser Session, die von Bernhard Heindel (in Vertretung für Jens Reisenweber) und Marcel Hahn moderiert wurde, drehte sich alles um die Frage: Warum reparieren wir denselben Fehler fünfmal, statt ihn einmal zu lösen? Zu Gast war Peter Vogtmann, der Experte für methodische Fehlersuche.

  • Symptom vs. Ursache: Peter Vogtmann erklärte den Unterschied zwischen "Reparatur" (Symptom weg) und "Problemlösung" (Ursache weg). Viele Instandhalter sind stolz, wenn die Maschine wieder läuft, aber sie haben nur ein "Pflaster" geklebt. Wahre Exzellenz ist, wenn der Fehler nie wieder kommt. Dafür braucht es Methoden wie Ishikawa oder 5-Why.
  • Die Informations-Lücke: Der kritische Moment ist der Schichtwechsel. Der Bediener sieht die Störung ("Es hat gerumpelt"), drückt ein paar Knöpfe und geht. Der Instandhalter kommt später und findet eine "Black Box" vor. Ohne eine saubere Fehlerbeschreibung ("Was hast du genau gehört?") beginnt ein teures Ratespiel.
  • Zeitdruck als Feind der Nachhaltigkeit: Jörg (Schleifmittel-Hersteller) brachte die Realität ein: Wenn die Produktion schreit "Wir müssen liefern!", klebt man halt das Pflaster. Aber der Instandhalter muss das Rückgrat haben zu sagen: "Okay, wir machen jetzt Quick-Fix, aber ich brauche nächste Woche ein Zeitfenster für die echte Reparatur, sonst knallt es richtig."
  • Datenqualität ist alles: Klaus (Siemens) und Christian (Bayer) bestätigten: Die Meldequalität aus der Produktion ist oft "unterirdisch" ("Maschine kaputt"). Wenn wir keine besseren Daten bekommen, können wir nicht analysieren.
  • Digitalisierung der Meldung: Christian (Bayer) forderte: "Ich will keine Texte mehr tippen. Ich will ein Foto machen und eine Sprachnachricht schicken, und die KI soll das ins SAP eintragen." Das senkt die Hürde für den Bediener, überhaupt eine Meldung zu machen.

Einordnung: Methodenkompetenz trifft auf Technologie

Diese Episode liefert die methodische Grundlage für das, was ADAM technisch umsetzt:

  • ADAM als "Übersetzer": Das Problem "Schlechte Meldequalität" löst ADAM durch KI. Der Bediener spricht: "Hier klappert was." ADAM fragt zurück: "Wo genau? Kannst du ein Foto machen?" und kategorisiert das Problem dann sauber im System. So wird aus "Maschine kaputt" ein verwertbarer Datensatz.
  • Nachhaltigkeit durch Historie: Um Ursachenforschung zu betreiben, muss ich wissen: "Hatten wir das schon mal?" ADAMs "Asset Intelligence" durchsucht die gesamte Historie und Handbücher und sagt dem Techniker: "Dieser Fehler trat vor 3 Monaten schon mal auf, damals war es Lager X." Das verhindert das ewige "Pflaster-Kleben".
  • Methodik "on demand": Nicht jeder Techniker beherrscht Ishikawa-Diagramme aus dem Effeff. ADAM kann den Techniker führen: "Lass uns 5-Why machen. Warum ist der Motor heiß? -> Weil Kühlung aus. -> Warum Kühlung aus? -> Weil Filter verstopft." So wird methodische Kompetenz demokratisiert.

Fazit: Systematische Fehlersuche ist kein Hexenwerk, scheitert aber oft an Zeitmangel und schlechter Kommunikation. ADAM nimmt den Zeitdruck, indem es die Recherche automatisiert und die Kommunikation vereinfacht.

Unsere Experten

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH

Jens Reißenweber

Reissenweber GmbH