FVI-Expertenfrühstück
38. FVI-Expertenfrühstück
Wann wird die Gebrauchsdauer sicherheitsrelevanter Komponenten zum Risiko?
Key Takeaways
Thema: "Die 20-Jahre-Zeitbombe" – Wann wird die Gebrauchsdauer sicherheitsrelevanter Komponenten zum Risiko?
In dieser Session wurde hitzig über eine Normvorgabe diskutiert, die viele Betreiber von Bestandsanlagen (Brownfield) ins Schwitzen bringt.
- Das 20-Jahre-Limit: Laut Norm (z.B. DIN EN ISO 13849) wird bei der Berechnung der Ausfallwahrscheinlichkeit von Sicherheitsbauteilen (z.B. Safe PLCs, Schütze) eine maximale Gebrauchsdauer von 20 Jahren angenommen. Nach dieser Zeit ist statistisch nicht mehr garantiert, dass die Bauteile sicher funktionieren.
- Die Panik der Industrie: Jean Haeffs (VDI) berichtete, dass ein VDI-Papier zu diesem Thema zu Panik bei Betreibern (z.B. Chemie, Stahl) führte. Die Angst: "Müssen wir jetzt alle Anlagen, die älter als 20 Jahre sind, stilllegen oder komplett umbauen?"
- Verschleiß vs. Elektronik-Alterung: Martin Ulbrich (TÜV) erklärte den Unterschied. Ein Not-Halt-Taster geht nach 20 Jahren nicht kaputt, wenn er nie gedrückt wurde (mechanischer Verschleiß). Aber elektronische Bauteile (z.B. Kondensatoren in Steuerungen) altern chemisch/physikalisch, auch wenn sie nur im Lager liegen. Hier drohen "gefährliche Ausfälle" (z.B. wenn die interne Diagnose-Funktion unbemerkt stirbt).
- Retrofit oder Refurbishment? Timo Gumprecht (Gira) fragte pragmatisch: "Was mache ich, wenn ich das Budget für einen Retrofit nicht kriege?" Eine Lösung ist das "Refurbishment" durch Dienstleister (z.B. BVS), die alte Komponenten prüfen, reparieren und mit neuer Gewährleistung zurückgeben.
- Die rechtliche Realität: Jean Haeffs warnte davor, das Thema auf die leichte Schulter zu nehmen. Wenn ein Unfall passiert (z.B. ein Toter an der Maschine) und die Sicherheitsbauteile die 20 Jahre überschritten haben, haftet der Geschäftsführer im schlimmsten Fall mit seinem Privatvermögen. Wegschauen ist keine Option.
Einordnung: ADAM als Compliance-Radar für Bestandsanlagen
Diese Episode beleuchtet ein massives Dokumentations- und Transparenz-Problem, bei dem ADAM als Lebensretter (für Budgets und Karrieren) fungiert.
- Das Transparenz-Problem: Timo gab zu, dass er aktuell eine "Excel-Tapete" baut, um überhaupt herauszufinden, welche Sicherheitskomponenten in welchen Anlagen verbaut sind und wie alt diese sind. Excel ist der falsche Ort für Haftungsfragen. ADAM ist Ihre dynamische Stückliste. ADAM weiß exakt, wann ein Bauteil verbaut wurde. Mit der intelligenten Suche finden Sie auf Knopfdruck alle Safe-PLCs in Ihrem Werk, die sich der 20-Jahre-Grenze nähern. ADAM ist Ihr Compliance-Radar.
- Obsoleszenz- & Risiko-Warnungen: Wenn ein Hersteller eine Komponente abkündigt oder die Gebrauchsdauer abläuft, drohen ungeplante Stillstände oder rechtliche Risiken. Durch die Integration von Herstellerdaten in ADAM erhalten Sie automatisierte Warnungen. ADAM sagt Ihnen nicht erst beim Ausfall, dass das Teil zu alt ist, sondern gibt Ihnen den Vorlauf, um ein Refurbishment oder einen Retrofit rechtzeitig zu planen.
- Dokumentation des Lebenszyklus: Wenn Teile durch externe Dienstleister generalüberholt werden, muss das manipulationssicher dokumentiert werden. Die 'Digitale Lebenslaufakte' in ADAM speichert jedes Zertifikat, jeden Proof-Test und jedes Refurbishment fälschungssicher am Asset. Wenn der Staatsanwalt (oder die BG) fragt, haben Sie die lückenlose Historie der Maschine in Sekunden parat.
Fazit: Das Alter von Anlagen ist das größte rechtliche und operative Risiko im deutschen Mittelstand ("Deutschland ist gebaut"). ADAM liefert die nötige Transparenz, um dieses Risiko proaktiv zu managen, bevor die 20-Jahre-Zeitbombe hochgeht.
Unsere Experten
Jens Reißenweber
Reissenweber GmbH
Marcel Hahn
Hahn Projects GmbH