FVI-Expertenfrühstück

02. FVI-Expertenfrühstück

Rückblick auf die Instandhaltungstage Salzburg

Freitag, 14. Juni 2024
mit Jens Reißenweber, Marcel Hahn

Key Takeaways

Thema: Glaubenssätze, Komplexität & das „Autoradio-Paradoxon“ – Ein Rückblick auf die Instandhaltungstage Salzburg.

  • Gemeinsam mit Lydia Höller und Andreas Dankl (Dankl+Partner / MCP) sowie diversen Praxis-Experten haben wir die Highlights des Branchentreffs in Salzburg analysiert. Die zentralen Erkenntnisse:
  • Der fatale Glaubenssatz: Instandhaltung wird oft immer noch als reiner Kostenfaktor („Cost Center“) gesehen – sowohl vom Management als auch von den Instandhaltern selbst. Der Tenor aus Salzburg ist klar: Wir müssen unsere „Glaubenssätze“ ändern. Instandhaltung ist Wertschöpfung, weil sie den Asset Value erhält und die Remaining Useful Lifetime (RUL) verlängert. Wer nichts tut, vernichtet Kapital.
  • Das „Autoradio-Paradoxon“ (Komplexitäts-Falle): Carsten Finke brachte es auf den Punkt: Früher konnte man ein Autoradio einfach tauschen (DIN-Schacht, fertig). Heute ist das Radio tief in die Fahrzeugelektronik integriert; ist es defekt, steht das Auto. Dasselbe passiert in unseren Fabriken: Die Anlagen sehen von außen gleich aus, aber die interne Komplexität (Software, Vernetzung, Sensorik) ist explodiert. Mit „einfach mal reparieren“ kommt man nicht mehr weit – man braucht tiefes Systemwissen.
  • Exponentielle Unkenntnis im Management: Es gibt eine direkte Korrelation: Je höher die Hierarchieebene (vom Werksleiter zum CFO zum Vorstand), desto geringer das Wissen darüber, was die Instandhaltung eigentlich tut. Die Folge: Budgets für Weiterbildung und Tools werden gestrichen, weil der „Return on Invest“ nicht verstanden wird.
  • Marketing in eigener Sache: Die Instandhaltung hat ein massives PR-Problem. Techniker berichten Zahlen und Fakten, die das kaufmännische Management langweilen. Wir müssen lernen, unsere Leistung nicht in „Anzahl Wartungen“, sondern in „gesichertem Produktionswert“ zu verkaufen.
  • Technologie als „Augen und Ohren“: Ob Drohnen für Inspektionen in Gefahrenbereichen (Jens Janke) oder KI-gestützte Analysen – moderne Tools sind keine Spielerei, sondern notwendig, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Wir müssen die Experten von Routineaufgaben (wie Klettern und Suchen) entlasten, damit sie entscheiden können.

Einordnung: Transparenz schafft Budget

Die Diskussion zeigt das Kernproblem der deutschen Industrie: Die technische Realität (Shopfloor) und die kaufmännische Entscheidungsebene (Top Floor) sprechen unterschiedliche Sprachen.

Genau hier setzt unsere Philosophie der Operativen Intelligenz mit ADAM an:

  • Übersetzung statt Reporting: Solange Instandhaltungswissen in den Köpfen von Experten oder in isolierten Excel-Listen steckt, bleibt es für die Geschäftsführung unsichtbar – und damit streichbar. ADAM macht technisches Wissen und geleistete Arbeit transparent und werthaltig.
  • Komplexität beherrschbar machen: Wenn Anlagen so komplex werden wie moderne Autos, können wir nicht erwarten, dass jeder Mitarbeiter alles weiß. Wir brauchen ein System („Digitaler Kollege“), das die Komplexität im Hintergrund managt und dem Menschen vorne nur die Info gibt, die er jetzt braucht (Schritt-für-Schritt, kontextbasiert).
  • Vom „Schrauber“ zum Manager: Wir unterstützen den Wandel des Instandhalters vom reinen „Feuerwehrmann“ (Reaktion auf Defekte) zum souveränen Manager seiner Assets. Wer Daten hat und Prozesse beherrscht, tritt gegenüber dem Vorstand nicht als Bittsteller auf, sondern als Garant für Produktionssicherheit.

Fazit: Wir müssen aufhören, Instandhaltung zu verstecken. Wir müssen ihr die digitalen Werkzeuge geben, um sich selbst zu erklären und ihren Wert zu beweisen. Nur so wird aus dem „Kostenblock“ ein strategischer Wettbewerbsvorteil.

Unsere Experten

Jens Reißenweber

Reissenweber GmbH

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH