FVI-Expertenfrühstück

18. FVI-Expertenfrühstück

Globale Instandhaltungskennzahlen – Fluch oder Segen?

Freitag, 7. März 2025
mit Marcel Hahn, Jens Reißenweber

Key Takeaways

Thema: "Globale KPIs – Fluch oder Segen?" – Wie ElringKlinger das Chaos der Instandhaltungskennzahlen ordnete.

Zu Gast war René Hackbart (ElringKlinger), der für 30 Werke weltweit ein Kennzahlensystem aufbaute. Er berichtete ehrlich vom Scheitern der ersten Versuche und dem Erfolg der radikalen Vereinfachung.

  • Das 50-KPI-Disaster: Zu Beginn wurden über 50 Kennzahlen definiert, weil man dachte "Viel hilft viel". Das Ergebnis war Chaos. Niemand pflegte die Daten, die Werte waren nicht vergleichbar. Das Learning: "Wenn du die Daten nicht automatisch aus dem System bekommst, ist die KPI wertlos." Manuelles Reporting in Excel funktioniert auf Dauer nicht (Punkt/Komma-Fehler, verschiedene Versionen).
  • Radikale Reduktion: ElringKlinger strich fast alles zusammen und landete bei 5 verlässlichen KPIs (z.B. MTTR, Unplanned Maintenance Cost Ratio). Weniger ist mehr, solange die Datenqualität stimmt.
  • Der MTBF-Mythos: Die "Mean Time Between Failure" (MTBF) ist der Liebling der Theorie, aber in der Praxis oft unbrauchbar, weil die Datenbasis (Wann genau war der Ausfall? Was zählt als Ausfall?) zu schlecht ist. René Hackbart hat sie gestrichen, weil sie mehr Fragen aufwarf als Antworten lieferte.
  • Vergleichbarkeit ist eine Illusion: Man kann ein Werk mit 600 Mitarbeitern nicht mit einem Mini-Werk vergleichen. Absolute Zahlen bringen nichts. Man braucht Ratios (z.B. Instandhaltungskosten im Verhältnis zum Anlagenwert), um überhaupt eine Basis zu haben.
  • Automatisierung als Pflicht: Das neue System basiert auf der SAP Analytics Cloud. Daten werden automatisch gezogen. Es gibt keine manuelle Eingabe mehr. Das zwingt die Werke dazu, die Prozesse im SAP sauber zu leben (richtige Auftragsart wählen), sonst stimmt die KPI nicht. -> Prozessdisziplin durch Transparenz.

Einordnung: Ohne saubere Daten keine Steuerung

Diese Episode bestätigt unsere These, dass Datenqualität das Fundament jeder Digitalisierung ist.

  • ADAM als Daten-Lieferant: Damit KPIs wie MTTR automatisch berechnet werden können, muss der Techniker vor Ort den Auftrag sauber rückmelden (Start/Ende). Wenn das kompliziert ist (SAP-Maske), macht er es nicht oder falsch. ADAM macht die Rückmeldung so einfach (Sprache/Klick), dass die Datenbasis für das Management-Dashboard überhaupt erst entsteht.
  • Standardisierung erzwingen: René Hackbart sagte: "Werke dürfen keine eigenen Prozesse stricken." ADAM unterstützt das, indem es globale Standards (z.B. Wartungspläne) zentral ausrollt, aber lokal adaptierbar macht.
  • Transparenz schafft Handlungsdruck: Wenn die KPI "Ungeplante Kosten" rot ist, kann das Werk beweisen: "Wir haben zu wenig Leute." ADAM liefert die Fakten für diese Diskussion (z.B. Backlog-Analyse).

Fazit: Kennzahlen sind kein Selbstzweck, sondern ein Führungsinstrument. Aber sie funktionieren nur, wenn die Datenerfassung an der Basis ("First Mile") funktioniert. ADAM sichert diese First Mile.

Unsere Experten

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH

Jens Reißenweber

Reissenweber GmbH