FVI-Expertenfrühstück
21. FVI-Expertenfrühstück
Arbeitssicherheit neu gedacht – gelebte Führung und eigenverantwortliches Handeln anstatt nur Vorschriften.
Key Takeaways
Thema: "Das Schweizer Käsemodell" – Arbeitssicherheit als Kulturfrage (nicht nur als Vorschrift).
Zu Gast waren Robin Engelmann (Hopfenveredlung) und Bernhard Heindel, die zeigten, warum Unfälle passieren, obwohl es tausend Regeln gibt. Das Modell des "Schweizer Käses" visualisiert: Jede Sicherheitsbarriere (Technik, Orga, Mensch) hat Löcher. Wenn die Löcher in einer Linie stehen, passiert der Unfall.
- Die Illusion der perfekten Sicherheit: Wir haben Technik (Not-Aus), wir haben Organisation (Freigabescheine), aber am Ende steht der Mensch. Wenn der Mensch glaubt, die Technik regelt alles ("Der Sensor stoppt schon"), wird er nachlässig. Sicherheit entsteht erst, wenn der Mensch mitdenkt ("Mind the handrail").
- Bürokratie tötet Akzeptanz: Jörg (Schleifmittel) klagte: "Wir ersticken in Unterweisungen." Muss man einem ausgebildeten Elektriker jedes Jahr erklären, wie er eine Treppe runtergeht? Nein. Sinnlose Regeln führen dazu, dass auch sinnvolle Regeln ignoriert werden.
- Sinn statt Unterschrift: Robin berichtete, wie er Arbeitsfreigabescheine einführte. Anfangs gab es Widerstand ("Noch ein Zettel!"). Aber als er erklärte: "Das machen wir nicht für die Versicherung, sondern damit du heute Abend gesund zu deiner Familie kommst", änderte sich die Akzeptanz. Sicherheit muss emotional verankert werden ("Für wen mache ich das?").
- Sprachbarrieren als Risiko: Ein riesiges Problem auf dem Shopfloor sind Fremdfirmen und Leiharbeiter, die kein Deutsch sprechen. Ein deutscher Sicherheitsfilm nützt nichts, wenn der polnische LKW-Fahrer ihn nicht versteht. Hier helfen Piktogramme und KI-gestützte Video-Übersetzungen (live im Browser).
- Die Bradley-Kurve: Bernhard Heindel zeigte die Entwicklung der Sicherheitskultur:
- Instinkt ("Unfälle passieren halt").
- Überwachung ("Ich mache es, weil der Chef guckt").
- Eigenverantwortung ("Ich mache es für mich").
- Team-Spirit ("Wir achten aufeinander").
Ziel ist Stufe 4. Die meisten Firmen stecken in Stufe 2 fest.
Einordnung: Sicherheit durch Einfachheit (Simplify Safety)
Diese Episode zeigt, dass Sicherheit kein "Add-on" ist, sondern in den Prozess integriert sein muss.
- ADAM als "Sicherheits-Assistent": Statt einmal im Jahr eine langweilige Schulung zu machen, gibt ADAM "Safety Nuggets" (kurze Hinweise) genau dann, wenn sie relevant sind. Bevor der Techniker die Anlage öffnet, poppt auf dem Tablet auf: "Achtung, hier ist noch Druck drauf. Erst entlüften!" Das ist "Just-in-Time"-Sicherheit.
- Sprachbarrieren brechen: ADAMs KI-Übersetzung (die wir in Ep 6 gesehen haben) ist ein Sicherheits-Feature. Wenn die Arbeitsanweisung automatisch in die Muttersprache des Leiharbeiters übersetzt wird, sinkt das Unfallrisiko massiv.
- Digitale Freigaben: Der "Zettelkrieg" (Freigabescheine) wird digitalisiert. Der Meister gibt die Anlage in ADAM frei, der Techniker sieht es sofort grün auf seinem Gerät. Kein Zettel kann verloren gehen, keine Unterschrift vergessen werden.
Fazit: Wahre Sicherheit entsteht nicht durch mehr Regeln, sondern durch bessere Kommunikation und Verständnis. ADAM sorgt dafür, dass die richtige Warnung zur richtigen Zeit bei der richtigen Person ankommt – in ihrer Sprache.
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