FVI-Expertenfrühstück

42. FVI-Expertenfrühstück

Global Maintenance im Fokus

Freitag, 24. April 2026
mit Marcel Hahn, Jens Reißenweber

Key Takeaways

Thema: „Global Maintenance im Fokus“ – Standards, Vernetzung und Veränderung über Werk-, Länder- und Kulturgrenzen hinweg.

Die Session zeigte, dass Global Maintenance weniger an technischen Lösungen als an Akzeptanz, Kommunikation und organisatorischer Ausdauer entscheidet. Der Praxisbericht aus einem globalen Industriekonzern wurde durch Erfahrungen weiterer Teilnehmer aus internationalen Instandhaltungsorganisationen ergänzt.

  • Leuchtturmwerke sind Startpunkt, aber kein Selbstläufer: Ein Werk in Korea wurde ausgewählt, um digitale Lösungen für korrektive und präventive Instandhaltung sowie Ersatzteilmanagement zu entwickeln und zu testen. Die zentrale Erkenntnis: Ein technisch erfolgreicher Pilot erzeugt noch keinen globalen Standard. Andere Werke reagieren schnell mit „Not invented here“, wenn sie nicht frühzeitig beteiligt werden oder ihre eigenen Lösungen als überlegen betrachten.
  • Globale Standards brauchen lokale Mitgestaltung: Die Teilnehmer warnten vor dem Versuch, komplette Werke „auf links zu drehen“. Erfolgreicher seien wenige, niedrigschwellige Standards – beispielsweise fünf einfach zu ermittelnde Kennzahlen – während die operative Umsetzung lokal flexibel bleibt. Treffend formulierte ein Teilnehmer: „Lieber den kleinen Standard gesetzt als den großen Standard nicht umgesetzt.“
  • Vernetzung kommt vor Vereinheitlichung: Mehrfach wurde betont, dass persönliche Beziehungen die Grundlage für den Austausch von Best Practices bilden. Virtuelle und persönliche Maintenance Days, regelmäßige Projektvorstellungen und informelle Begegnungen helfen den Werken zu erkennen, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind. Der praktische Rat lautete: „Fahrt in die Werke, lernt die Menschen kennen.“
  • Instandhaltung muss ihren Wert sichtbar machen: Solange Anlagen laufen, bleibt die Leistung der Instandhaltung häufig unsichtbar – im Gespräch fiel dafür der Begriff „Ninja Maintenance“. Gleichzeitig wurde klargestellt: Das Produkt der Instandhaltung ist die technische Verfügbarkeit. Kennzahlen, strukturierte Rückmeldungen und sichtbare Erfolge sind deshalb notwendig, um das Topmanagement für Ressourcen, globale Teams und langfristige Veränderungsprozesse zu gewinnen.

Einordnung: Mit ADAM globale Standards ermöglichen, ohne lokale Prozesse auszubremsen

Die Episode passt perfekt zu unserer Strategie, weil Global Maintenance keine weitere starre Software benötigt, sondern eine pragmatische Ebene für Operative Intelligenz, Wissenstransfer und standortübergreifende Zusammenarbeit.

  • Lokale Insellösungen versus globaler Standard: Werke entwickeln eigene Tools, weil zentrale Systeme im Alltag oft zu kompliziert, unflexibel oder unzureichend verstanden sind. Ein erzwungener Austausch funktionierender Lösungen erzeugt jedoch Widerstand und verlängert den Change-Prozess. Wir positionieren ADAM deshalb nicht als Ersatz für SAP PM oder bestehende CMMS-Systeme. Als offene SaaS-Plattform ergänzt ADAM die vorhandene Landschaft um einen einfachen, anlagenzentrierten Zugang. Daten und Wissen aus unterschiedlichen Quellen werden in einer Digitalen Lebenslaufakte gebündelt, während bestehende Kernsysteme erhalten bleiben.
  • Best Practices bleiben in einzelnen Werken verborgen: In der Episode wurde deutlich, dass gute Lösungen zwar lokal entstehen, aber nur selten strukturiert dokumentiert und standortübergreifend geteilt werden. Häufig fehlen Zeit, Motivation oder eine geeignete Form der Rückmeldung. Mit ADAM machen wir Dokumentation zum Nebenprodukt der täglichen Arbeit. Techniker können Störungen und Lösungen per Sprache erfassen; die KI strukturiert die Inhalte und speichert sie im Anlagenkontext. Über Hybride Suche und Vektorsuche wird Erfahrungswissen auch dann auffindbar, wenn Bezeichnungen, Stammdaten oder Formulierungen zwischen den Werken voneinander abweichen.
  • Big-Bang-Rollouts überfordern Organisation und Menschen: Die Diskussion bestätigte, dass globale Transformation schrittweise erfolgen muss. Kleine sichtbare Erfolge schaffen mehr Akzeptanz als jahrelange Programme, deren Nutzen erst nach dem vollständigen Rollout erkennbar wird. Wir starten deshalb ADAM-First mit einem klar begrenzten Anwendungsfall und einem realen Engpass. Über No-Code-Workflows lassen sich lokale Prozesse schnell digitalisieren, testen und anschließend als bewährte Bausteine auf weitere Standorte übertragen. So entsteht Standardisierung aus funktionierenden Lösungen – nicht aus theoretisch perfekten Prozessmodellen.

Fazit: Global Maintenance wird erfolgreich, wenn zentrale Leitplanken, lokales Erfahrungswissen und menschliche Akzeptanz zusammenkommen – ADAM schafft dafür die verbindende Ebene der Operativen Intelligenz.

Unsere Experten

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH

Jens Reißenweber

Reissenweber GmbH