FVI-Expertenfrühstück

46. FVI-Expertenfrühstück

Drohnen & Inspektionstechnologien: Werkzeug statt Spielzeug

Freitag, 3. Juli 2026
mit Marcel Hahn

Key Takeaways

Thema: „Drohnen & Inspektionstechnologien: Werkzeug statt Spielzeug“ – Wie fliegende, fahrende und schwimmende Systeme gefährliche Inspektionen ersetzen und neue Daten für die Instandhaltung erzeugen.

Die Session machte deutlich, dass industrielle Drohnen längst mehr sind als Kameras mit Propellern. Als mobile Hightech-Datensammler erfassen sie hochauflösende Bilder, Videos, 3D-Modelle und räumlich verortete Schadstellen in Behältern, Kaminen, Kesseln, Kanälen oder Schächten.

  • Safety First – Technik statt Menschen im Gefahrenbereich: Der wichtigste Nutzen liegt darin, Beschäftigte aus engen, hohen oder einsturzgefährdeten Bauwerken herauszuhalten. Bei einem Einsatz wurde eine Drohne in einem tiefen Schacht durch Steinschlag zerstört. Die entscheidende Erkenntnis: Der Verlust des Geräts war vertretbar – ein Mensch in einem Befahrkorb wäre einem erheblichen Risiko ausgesetzt gewesen. Auch regulatorisch vorgeschriebene Inspektionen langer Druckleitungen können heute teilweise ohne riskante Befahrungen mit Seil, Kamera und aufwendigem Rettungskonzept dokumentiert werden.
  • Massive Zeit- und Kostenvorteile im Stillstand: Bei einem rund 25 Meter hohen Behälter hätte der klassische Ablauf zwei Tage Gerüstaufbau, einen Tag Inspektion und zwei Tage Abbau benötigt. Die Drohneninspektion war mit mehreren Flügen innerhalb von etwa sechs Stunden abgeschlossen. Dadurch wurde der Inspektionsaufwand von fünf Tagen auf einen Tag reduziert und allein der Gerüstbau im Wert von rund 15.000 Euro vermieden. Gleichzeitig entstanden hochauflösende Fotos und Videos sämtlicher relevanter Schweißnähte.
  • Aus Bildern werden räumlich zuordenbare Befunde: Der integrierte Laserscanner erzeugt 3D-Modelle, in denen Flugpfad, Fotopositionen und Auffälligkeiten räumlich nachvollziehbar sind. Damit lässt sich nicht nur erkennen, dass ein Schaden vorhanden ist, sondern auch, wo genau er liegt. Besonders bei deformierten Behältern, Brennkammern, Schächten oder schwer dokumentierten Zwischendecken entsteht so eine belastbare Grundlage für Reparaturplanung, Zustandsvergleich und wiederkehrende Inspektionen.
  • Das eigentliche Problem beginnt nach dem Flug: Die erzeugten JPEGs, Videos und 3D-Daten landen heute häufig auf Desktops oder in Netzwerkordnern. Damit fehlen die Zuordnung zum Asset, die systematische Historie und der Vergleich mit früheren Inspektionen. Gerade bei halbjährlichen Prüfungen wäre es wertvoll, definierte Positionen erneut anzufliegen, Veränderungen sichtbar zu machen und aus dem Befund direkt eine Meldung oder einen Auftrag im Asset-Management-System zu erzeugen. KI-gestützte Schadensanalysen und Schnittstellen zu Inspektionssoftware entstehen bereits, sind jedoch noch kein flächendeckender Standard.

Einordnung: Vom Drohnenvideo zur intelligenten Lebenslaufakte der Anlage

Die Episode passt perfekt zu unserer Strategie, weil sie zeigt: Neue Inspektionstechnologien erzeugen wertvolle Daten – der operative Nutzen entsteht aber erst, wenn diese Daten strukturiert, auffindbar und mit den Instandhaltungsprozessen verbunden werden.

  • Inspektionsdaten verschwinden in Dateiablagen: Fotos, Videos, 3D-Modelle und Prüfberichte liegen häufig getrennt voneinander auf lokalen Laufwerken oder in unübersichtlichen Ordnerstrukturen. Wir bündeln diese Informationen in ADAM anlagenzentriert in einer Digitalen Lebenslaufakte. Jeder Drohnenflug, jedes Schadensbild, jeder Prüfbericht und jede daraus abgeleitete Maßnahme wird chronologisch dem richtigen Asset zugeordnet. So bleibt das Wissen verfügbar, selbst wenn Zuständigkeiten wechseln oder zwischen zwei Prüfungen mehrere Jahre liegen.
  • Aus einem Befund entsteht nicht automatisch eine Handlung: Ein beschädigtes Bauteil im Video ist zunächst nur eine Beobachtung. Ohne Verbindung zu Meldung, Auftrag, Verantwortlichem und Folgemaßnahme bleibt der Prozess manuell. Mit ADAM schaffen wir Operative Intelligenz zwischen Inspektionsdaten und Instandhaltungsprozess. Über offene Schnittstellen und No-Code-Workflows können Befunde strukturiert übernommen, Maßnahmen ausgelöst und Informationen an bestehende Systeme wie SAP oder andere EAM-Lösungen weitergegeben werden. ADAM ersetzt diese Systeme nicht, sondern macht die erzeugten Daten im Arbeitsalltag nutzbar.
  • Historische Vergleiche scheitern an uneinheitlichen Daten: Wiederkehrende Inspektionen sind besonders wertvoll, wenn sich nachvollziehen lässt, wie sich Korrosion, Anbackungen, Risse oder Verformungen über die Zeit entwickeln. In klassischen Ablagen ist dieser Vergleich aufwendig und stark vom Wissen einzelner Personen abhängig. Unsere Hybride Suche verbindet strukturierte Asset-Daten mit unstrukturierten Bildern, Berichten, Kommentaren und Dokumenten. Dadurch können Techniker frühere Befunde auch dann wiederfinden, wenn Dateinamen, Ordner oder Beschreibungen uneinheitlich sind. Als SaaS-Plattform schafft ADAM damit eine durchsuchbare und auditfähige Anlagenhistorie für Instandhaltung, Compliance und Safety.

Fazit: Drohnen machen gefährliche Anlagenbereiche sichtbar. ADAM sorgt dafür, dass aus diesen Bildern dauerhaftes Anlagenwissen, nachvollziehbare Entscheidungen und konkrete Instandhaltungsmaßnahmen werden.

Unsere Experten

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH