FVI-Expertenfrühstück
47. FVI-Expertenfrühstück
Digitalisierung in der Instandhaltung: Was lässt sich sofort und einfach umsetzen?
Key Takeaways
Thema: „Digitalisierung in der Instandhaltung: Was lässt sich sofort und einfach umsetzen?“ – Vom überschaubaren Pilotprojekt bis zur langfristig tragfähigen Systemarchitektur.
Die Session machte deutlich: Erfolgreiche Digitalisierung beginnt weder mit einem 1.000-seitigen Pflichtenheft noch mit der Suche nach der perfekten Plattform. Entscheidend sind ein konkreter Schmerz, ein verständliches Zielbild und eine Lösung, die im Arbeitsalltag des Shopfloors tatsächlich genutzt wird.
- Klein anfangen, aber nicht orientierungslos: Mehrere Teilnehmer plädierten dafür, nicht monatelang über das perfekte System zu diskutieren, sondern mit einem klar abgegrenzten Anwendungsfall zu starten. Als Beispiele wurden eine besonders störanfällige Maschine, ein einfacher Sensor „mit Panzertape“ oder sogar ein Smartphone als temporäre Sensorlösung genannt. Der Pilot muss nicht für die Ewigkeit gebaut sein – er soll schnell zeigen, welche Daten verfügbar sind und welcher Nutzen daraus entstehen kann.
- Schlechte Prozesse werden durch Software nicht besser: Vor der Digitalisierung muss verstanden werden, wie Auftragsabwicklung, Störungsmeldung oder Dokumentation heute tatsächlich funktionieren. Ein Praxisbeispiel zeigte die Risiken ungeklärter Stammdaten besonders drastisch: Statt der kalkulierten vier Datenimporte waren am Ende rund 186 Nachbesserungen notwendig. Die zentrale Erkenntnis lautete deshalb: Digitalisierung hat häufig viel mit „Kinderzimmer aufräumen“ zu tun – gleichzeitig darf die notwendige Bereinigung nicht zur jahrelangen Eintrittsbarriere werden.
- Akzeptanz entsteht auf dem Shopfloor: Die technische Lösung wurde in der Diskussion als der einfachere Teil beschrieben. Schwieriger ist der Übergang von alten Arbeitsweisen in die digitale Welt. Besonders erfolgreich sind Projekte, bei denen Anwender, Kritiker und erfahrene Mitarbeiter frühzeitig eingebunden werden. Ein sichtbarer Nutzen wie der Wegfall von Laufzetteln, manuellen Betriebsstundenerfassungen oder mehrfacher Dokumentation erzeugt schneller Akzeptanz als abstrakte Digitalisierungsversprechen.
- Der Nutzen muss konkret und messbar sein: Ein Dashboard mit „500 KPIs“ bringt keinen Mehrwert, wenn daraus keine operative Entscheidung entsteht. Gerade große Programme geraten unter Druck, wenn ihr ROI erst nach fünf oder sechs Jahren sichtbar werden soll. Empfohlen wurden deshalb kleine Use Cases mit klaren Akzeptanzkriterien, kurzen Umsetzungszeiträumen und einer 80/20-Priorisierung. Gleichzeitig braucht es ein übergeordnetes Zielbild für Schnittstellen, Cybersecurity und Integration, damit aus einzelnen Piloten keine neue Schatten-IT entsteht.
Einordnung: Mit ADAM vom konkreten Engpass zur Operativen Intelligenz
Diese Episode passt perfekt zu unserer Strategie, weil ADAM nicht als monolithisches IT-Großprojekt beginnt, sondern ein akutes Problem pragmatisch löst und daraus schrittweise eine belastbare digitale Wissens- und Prozessbasis entwickelt.
- Analyse-Paralyse und riskante Großprojekte: Unternehmen planen häufig eine vollständige Plattform, bevor der erste Anwender überhaupt einen realen Prozess getestet hat. Dadurch steigen Komplexität, Kosten und Projektrisiko. Wir starten mit ADAM bewusst kleiner: In einem klar definierten PoC lösen wir innerhalb weniger Monate einen konkreten Engpass. Als SaaS-Plattform und mit No-Code-Bausteinen lässt sich ADAM schrittweise erweitern und über offene Schnittstellen in bestehende Systeme integrieren. So entsteht früh messbarer Nutzen, ohne das langfristige Zielbild aus den Augen zu verlieren.
- Stammdatenchaos und Brownfield-Realität: Historisch gewachsene Daten, unterschiedliche Bezeichnungen und unvollständige Anlagenakten machen klassische Migrationen teuer und langsam. ADAM ist „ADAM-First“ und Brownfield-Native. Mit Hybrider Suche und Vektorsuche finden Mitarbeiter Dokumente, Ersatzteile und frühere Lösungen auch dann, wenn die Stammdaten noch nicht perfekt bereinigt sind. Gleichzeitig entsteht mit jeder Nutzung eine strukturiertere Digitale Lebenslaufakte der Maschine – einschließlich Störungen, Maßnahmen, Dokumenten, Umbauten und Retrofits.
- Geringe Akzeptanz und verlorenes Erfahrungswissen: Wenn Techniker zusätzliche Formulare ausfüllen oder komplizierte Masken bedienen müssen, bleibt die Dokumentation unvollständig. Das Wissen verbleibt in Köpfen, Notizbüchern und Chatverläufen. Wir setzen deshalb auf die natürlichste Schnittstelle: Sprache. Mit dem Meldungs-, Lösungs- und Rückmelde-Assistenten können Mitarbeiter Störungen und durchgeführte Arbeiten direkt aus dem Arbeitsprozess dokumentieren. ADAM strukturiert die Informationen, überträgt sie bei Bedarf in bestehende Systeme und macht sie als Operative Intelligenz für das gesamte Team nutzbar – wie ein „YouTube für die Instandhaltung“, das aus jeder gelösten Störung lernt.
Fazit: Die Digitalisierung der Instandhaltung beginnt nicht mit der perfekten Datenbasis oder dem größten Softwareprojekt, sondern mit einem relevanten Problem, einem akzeptierten Workflow und einem schnellen Erfolg – ADAM verbindet genau diesen pragmatischen Einstieg mit einer langfristig skalierbaren Plattform für Operative Intelligenz.
Unsere Experten
Marcel Hahn
Hahn Projects GmbH