FVI-Expertenfrühstück
19. FVI-Expertenfrühstück
Ersatzteilversorgung neu denken
Key Takeaways
Thema: "Das Amazon für Ersatzteile" – Schluss mit der Lieferanten-Odyssee.
In dieser Session sprachen Marcel Hahn und Jens Reisenweber mit Benedikt Moser und Marcel Bülow von SparePartsNow über die Revolution der Ersatzteilbeschaffung.
- Das "Procurement Light"-Modell: Instandhalter verbringen oft Stunden damit, 20 verschiedene Lieferanten anzurufen, um eine Kupplung oder ein Ventil zu finden. Und dann sagt der Einkauf: "Für ein 100€-Teil lege ich keinen neuen Lieferanten im SAP an." SparePartsNow löst das als "One-Stop-Shop". Der Kunde bestellt alles über eine Plattform, bekommt eine Rechnung, einen Kreditor. Das spart massiv Prozesskosten.
- Circular Economy als Notretter: Wenn eine alte Steuerung (z.B. Siemens 840D) kaputt geht, gibt es sie oft nicht mehr neu. Der Hersteller sagt: "Pech, mach ein Retrofit für 250.000 €." SparePartsNow bietet hier refurbished (generalüberholte) Teile an. Das rettet die Anlage für 10.000 € statt 250.000 € und ist zudem nachhaltig.
- Transparenz schlägt Beziehung: Früher kaufte man beim Händler um die Ecke ("den kenne ich"). Heute zählt Geschwindigkeit. Wer online Lagerbestände und Preise in Echtzeit anzeigt (ohne Login-Barriere!), gewinnt. Die Instandhaltung hat keine Zeit, auf Angebote zu warten.
- KI bei der Identifikation: Ein großes Problem ist: "Ich habe hier ein Teil, aber keine Ahnung, was es ist." Die Plattform nutzt KI-gestützte Bilderkennung und Typenschild-OCR, um Teile zu identifizieren. Aber: Ein Kugellager per Foto zu vermessen, klappt noch nicht. Da braucht es weiterhin Expertenwissen (weshalb hinter der Plattform echte Maschinenbauer sitzen, kein anonymes Callcenter).
- Retrofit-Falle: Ein Retrofit ist oft komplexer als gedacht ("Feenstaub"). Neue Steuerungen haben andere Stecker, andere Bussysteme. Ein 1:1-Austausch mit einem refurbished Teil ist oft die wirtschaftlichere Lösung, um Zeit zu gewinnen.
Einordnung: Beschaffung ist Teil der Operativen Intelligenz
Diese Episode zeigt, dass "Wissen" nicht nur technisches Know-how ist, sondern auch Marktwissen ("Wo kriege ich das Teil her?").
- ADAM & Ersatzteile: ADAM weiß (durch die digitale Lebenslaufakte), welche Teile verbaut sind. Die logische Weiterentwicklung ist, dass ADAM bei einem Defekt direkt den Link zum Ersatzteil (z.B. bei SparePartsNow) anzeigt oder sogar den Warenkorb füllt. Das ist die Vision der autonomen Instandhaltung.
- Obsoleszenz-Management: Wir erinnern uns an Episode 3 (Sicherheitsbauteile). Wenn ADAM weiß, dass ein Teil abgekündigt ist, ist der Link zu einem Refurbisher (Circular Economy) Gold wert. Wir schließen die Lücke zwischen "Problem erkannt" (ADAM) und "Problem gelöst" (Ersatzteil da).
- Datenqualität: Um Teile automatisiert zu bestellen, müssen die Stammdaten stimmen (siehe Episode 18). Wenn im System nur "Motor" steht, kann keine KI das Teil finden. ADAM hilft, diese Datenqualität zu sichern.
Fazit: Die Ersatzteilbeschaffung wandelt sich vom "Beziehungsgeschäft" zum digitalen Plattformgeschäft. Wer seine Asset-Daten im Griff hat, profitiert davon am meisten.
Unsere Experten
Marcel Hahn
Hahn Projects GmbH
Jens Reißenweber
Reissenweber GmbH