FVI-Expertenfrühstück
22. FVI-Expertenfrühstück
Bauteil obsolet – Obsoleszenz in der Instandhaltung
Key Takeaways
Thema: "Der Tod der alten Maschine?" – Strategisches Obsoleszenz-Management im Brownfield.
Zu Gast war Carsten Finke (INspares), der mit Marcel Hahn und Jens Reisenweber über das Problem sprach, dass wir alte Anlagen am Leben erhalten müssen, obwohl es keine Ersatzteile mehr gibt.
- Schmerz als Treiber: Carsten Finke brachte es auf den Punkt: "Obsoleszenz wird erst ernst genommen, wenn es einmal richtig weh getan hat." Erst wenn die Anlage steht und das Ersatzteil nicht mehr lieferbar ist (und der Stillstand Millionen kostet), wird das Thema budgetiert. Vorher ist es ein "Nice to have".
- Das "Autoradio-Paradoxon" (Reloaded): Wie schon in Ep 2 erwähnt: Früher konnte man Teile einfach tauschen. Heute sind Komponenten so vernetzt, dass ein abgekündigter Sensor die ganze Steuerung lahmlegen kann. Wenn der Hersteller sagt "Mach ein Retrofit", kostet das oft das Hundertfache des Ersatzteils.
- Transparenz ist der Schlüssel: Man muss wissen, was man hat. Viele Firmen haben "Leichen im Keller" – Komponenten, die seit 5 Jahren abgekündigt sind, aber niemand weiß es, weil sie tief im Schaltschrank verbaut sind. Ohne eine Inventur ("Schaltschrank-Scan") ist man blind.
- Konstrukteure sind mitschuldig: Carsten berichtete, dass oft schon bei der Auslieferung einer neuen Maschine abgekündigte Bauteile verbaut sind, weil der Konstrukteur "Copy & Paste" aus alten Plänen gemacht hat. Der Kunde kauft also eine neue Maschine, die schon obsolet ist.
- Digitalisierung alter Schätze: Tina (IT-Expertin) brachte Beispiele von DB Cargo: Alte Waggons haben keine digitalen Pläne. Man muss sie scannen (3D-Scan) oder mit KI aus alten Handbüchern rekonstruieren, um Ersatzteile per 3D-Druck nachzubauen. Das ist "Reverse Engineering" als Rettungsanker.
Einordnung: Wissen rettet Leben (der Maschine)
Diese Episode zeigt, dass Obsoleszenz kein technisches, sondern ein Informations-Problem ist.
- ADAM als "Obsoleszenz-Radar": Wenn ADAM weiß, welche Teile verbaut sind (durch den digitalen Lebenslauf), kann es automatisch warnen: "Achtung, Komponente X wird in 6 Monaten abgekündigt. Jetzt noch 3 Stück auf Lager legen!" Das macht aus Panik Strategie.
- Verbindung zu SparePartsNow (Ep 19): Hier schließt sich der Kreis. Wenn ADAM die Obsoleszenz erkennt, ist der Link zu SparePartsNow (für refurbished Teile) die Rettung. Wir bieten nicht nur die Warnung, sondern auch die Lösung.
- Der "Copy & Paste"-Schutz: Wenn Konstrukteure ADAM nutzen würden (oder die Daten daraus), könnten sie sehen: "Dieses Teil ist rot markiert, bitte nicht mehr verbauen." ADAM schützt also auch vor "neuen Altlasten".
Fazit: Wer seine "Leichen im Keller" nicht kennt, wird von ihnen überrascht. Transparenz ist die einzige Versicherung gegen teure Stillstände.
Unsere Experten
Marcel Hahn
Hahn Projects GmbH
Jens Reißenweber
Reissenweber GmbH