FVI-Expertenfrühstück

03. FVI-Expertenfrühstück

Gebrauchsdauer von Sicherheitskomponenten

Freitag, 28. Juni 2024
mit Marcel Hahn, Jens Reißenweber

Key Takeaways

Thema: Die Zeitbombe im Schaltschrank – Gebrauchsdauer von Sicherheitskomponenten & Obsoleszenz-Management.

Gemeinsam mit Sebastian Fink (INspares) und Experten aus der Praxis haben wir ein Risiko beleuchtet, das in vielen deutschen Werkhallen unbemerkt tickt. Die zentralen Erkenntnisse:

  • Funktion ≠ Zulässigkeit (Das 20-Jahre-Limit): Viele Sicherheitskomponenten (z.B. Sicherheits-SPS, Relais, Umrichter mit Safety-Funktion) haben eine vom Hersteller definierte maximale „Gebrauchsdauer“ (oft 20 Jahre, teils nur 10). Nach Ablauf dieser Frist muss getauscht werden – selbst wenn das Bauteil technisch einwandfrei funktioniert. Die Betriebssicherheitsverordnung und Normen wie die EN ISO 13849 lassen hier kaum Spielraum.
  • Der Stammdaten-Blindflug: Das Kernproblem ist nicht der Austausch, sondern das Wissen. Die meisten Unternehmen wissen schlicht nicht, welche Sicherheitskomponente wo verbaut ist und wann deren Uhr abläuft (Herstelldatum vs. Lieferdatum vs. Inbetriebnahmedatum). Ohne saubere Asset-Daten ist eine Risikoabschätzung unmöglich.
  • Wirtschaftlicher Totalschaden durch „Norm-Compliance“: Wenn eine alte Anlage aufgrund abgelaufener Sicherheitskomponenten ein Update benötigt, reicht oft kein einfacher Tausch (da Teile abgekündigt sind). Das resultiert in kompletten Retrofits oder Steuerungs-Umbauten, die schnell den Zeitwert der Anlage übersteigen und sie zum wirtschaftlichen Totalschaden machen.
  • Nachhaltigkeits-Paradoxon: Wir wollen Maschinen länger nutzen (Nachhaltigkeit), werden aber durch starre Gebrauchsdauer-Vorgaben zum Austausch gezwungen. Die einzige Lösung ist aktives Obsoleszenz-Management: Wer frühzeitig weiß, was wann abläuft, kann sich mit Ersatzteilen eindecken oder geplante Retrofits budgetieren, statt von einer Stilllegung überrascht zu werden.
  • Haftung wandert nach oben: Das Thema betrifft nicht nur den Instandhalter, sondern die Geschäftsführung (Betreiberverantwortung). Ohne validierte Prüfung der Sicherheitskette steht im Schadensfall oder bei Audits (TÜV, BG) der Versicherungsschutz auf dem Spiel.

Einordnung: Ohne Daten keine Souveränität

Dieses Szenario ist der Beweis dafür, warum wir bei Hahn PRO von der „Souveränitätsfalle“ sprechen. Wer seine Asset-Daten nicht im Griff hat, wird zum Getriebenen von Herstellervorgaben und Normen.

Hier positioniert sich ADAM als essenzielles Werkzeug für Operative Intelligenz:

  • Vom „Schwarzen Loch“ zur Lebenslaufakte: Es reicht nicht, dass das Wissen über verbaute Komponenten im Kopf eines Elektrikers oder in einem Papier-Ordner steckt. ADAM dient als zentrale Instanz, um diese kritischen Stammdaten (Einbaudatum, Komponententyp) digital und durchsuchbar zu machen.
  • Risiko-Management statt Feuerwehr-Aktionen: Instandhaltung ist hier ganz klar Value Protection. Mit korrekten Daten in ADAM verwandelt sich die Instandhaltung vom Kostenfaktor zum Risikomanager, der der Geschäftsführung proaktiv drohende Millionen-Investitionen (Zwangsstillegung) aufzeigt.
  • Die Basis für Entscheidungen: Nur wer Daten hat, kann entscheiden: „Legen wir uns das Ersatzteil jetzt für 10 Jahre auf Lager oder planen wir den Retrofit?“ Ohne diese Transparenz ist das Management blind. ADAM liefert das Licht im Datendschungel.

Fazit: Die Diskussion zeigt drastisch: Stammdatenpflege ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern aktiver Vermögensschutz. Wer heute nicht dokumentiert, zahlt morgen mit dem Stillstand der Anlage.

Unsere Experten

Marcel Hahn

Hahn Projects GmbH

Jens Reißenweber

Reissenweber GmbH